Mick Flannery - "I Own You" - München

Mick Flannery -  I Own You  - München Folder

(Saturday) December 17, 2016 - 21:00

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Seine ersten Meriten verdiente sich der gelernte Steinmetz mit den zum Steinerweichen schönen Songs allerdings schon vor seinem Debütalbum „Evening Train“ aus dem Jahr 2007. Drei Jahre zuvor war der Spross einer Musikerfamilie, dessen Mutter ebenso wie seine Tanten ihm den eigenwilligen Zauber von Musikerlegenden wie Tom Waits und Johnny Cash nahegebracht hatten, in die USA gereist und hatte dort mit Anfang 20 sein Glück als aufstrebender Sänger und Songwriter gesucht und gefunden. Der Musiker, der mit seinem kurz gestutzten Vollbart und seinen klugen Rehaugen eine eher unauffällige Erscheinung ist, ging im Jahr 2004 bei der „International Songwriting Competition“ in Nashville, Tennessee als erster irischer Musiker überhaupt auf Anhieb als Gewinner hervor – und zwar heimste er für seine beiden Songs „In The Gutter“ und „The Tender“ gleich zwei Preise ein. Dass in der Jury zufällig auch sein Idol Tom Waits saß, sei als Anekdote am Rande ebenso erwähnt wie die Tatsache, dass beide Songs auf seinem Debüt „Evening Train“ auftauchten, einem Konzeptalbum über zwei Brüder, das im letzten Jahr sogar als Theaterstück adaptiert wurde.

Der irische Troubadour mit den tief melancholischen Songs ist natürlich auch hierzulande kein Unbekannter. Tatsächlich hat Mick Flannery vor drei Jahren sieben Monate lang in Berlin-Kreuzberg gelebt, wo ein Großteil der Songs seines letzten Albums „By The Rule“ entstand, das er dann jedoch in Irland aufnahm. Für „I Owe You“ hatte sich der Linkshänder, der seine Gitarre seitenverkehrt spielt, vorgenommen, seinen von eindringlichen Songs über Liebesglück und Liebesleid gesäumten Pfad bewusst zu verlassen und vor allem seine Texte anders und weniger selbstbezogen zu gestalten, auch wenn er ein junger Meister darin ist, seine Umwelt genau zu beobachten und Erlebtes in treffliche Lyrics umzuwandeln. Doch die gewisse Selbstbezogenheit in seinen Songs wollte der Mann aus der Grafschaft Cork diesmal tunlichst vermeiden.

„Fünfzig Prozent dieses Albums sind bewusst gesellschaftspolitisch und enthalten dementsprechende Stellungnahmen, was für mich nicht nur neu ist, sondern sogar etwas beängstigend. Es ist schlussendlich weniger egozentrisch als meine bisherigen Veröffentlichungen. Vielleicht klingt es auch ein wenig anders, zumal ich viel Kendrick Lamar gehört habe und lange Zeit nur gemeinsam mit dem Produzenten Christian Best im Studio gewesen bin – er am Schlagzeug, während ich herumträllerte. So wurden die Beats wichtiger als jeder Gitarren- oder Piano-Part, also eher hiphop-orientiert, was auch der Grund sein mag, dass es ein bisschen moderner klingt.“

Das beginnt schon mit dem Titelsong. Selten klang Mick Flannery so entfesselt und wie von Furor getrieben. Das hat seinen guten Grund: „Der Song ’I Own You’ basiert auf der Idee des ’armen Mannes’, der in das Haus eines ’reichen Mannes’ einbricht. Inspiriert wurde der Song von der Vermögensungleichheit in kapitalistischen Ländern. Ebenso geprägt wurde er von den Ausschreitungen in Baltimore, nachdem die Polizei Freddie Gray gewaltsam zu Tode gebracht hatte. Ich hatte die Hoffnung, dass der Song die Wut zum Ausdruck bringen könnte, die entrechtete, machtlose Menschen empfinden müssen. Das Video zielt darauf ab, die Botschaft zu übermitteln, dass an einem gewissen Punkt mit der Gier der Superreichen abgerechnet werden muss.“ Dementsprechend verstörend mutet dieser Videoclip an, dessen düster surreale Bilder ebenso lange nachwirken wie der Song selbst. Das gilt im Übrigen nicht minder für das Video zu dem medienkritischen Video zu „One Of The Good Ones“, dessen bizarre Bilderflut sich nachhaltig einprägen dürfte.

Neben dem dynamischen Titelsong gibt es noch weitere grandiose Beispiele für die neu hinzugewonnene musikalische Physis bei Mick Flannery. Das just erwähnte „One Of The Good Ones“ etwa, bei dem Mick Flannery vielleicht dem HipHop-Genre so nah kommt wie noch nie zuvor in seiner Karriere. Der mitreißende Song mit den unterschwellig bedrohlichen Electro-Beats erweitert die künstlerische Palette des Iren ebenso wie „Show Me The Door“, ein schwerblütiges, zwischen Gospel und Blues changierendes Elaborat. Die Fans von Mick Flannery müssen gleichwohl nicht auf die ihnen vertraute Wärme verzichten, die von den Folkballaden dieses Songpoeten ausgehen, in die man eintauchen kann wie in einen wohltemperierten Whirlpool. Songs wie „How High“ (der eine nächtliche Autofahrt durch die Straßen von New York vor dem geistigen Auge nahezu real erscheinen lässt), „Cameo“ (Einsamkeit, eines von Flannerys Lieblingsthemen, als eindringlicher Nursery Rhyme), „Big Screen“ (für dessen Video Aidan Gillen aus „Game Of Thrones“ verpflichtet wurde) oder „Like Chain“ (durch den ein Hauch von Bruce Springsteen weht) sind nur ein paar Beispiele für Mick Flannerys unerschütterliche Kunst als musikalischer Herzensbrecher. „I Owe You“ ist einmal mehr ein Meisterwerk des Mannes, dessen Songs so zeitlos und gewichtig sind wie in Stein gemeißelt.

Web: www.mickflannery.com/
Facebook: https://www.facebook.com/mick.flannery.musician/

Tickets available on: http://suedpolmusic.wlec.ag/mick-flannery-tickets-333.html#tour509

(Saturday) December 17, 2016

Mick Flannery - "I Own You" - München

Milla - Live Club Holzstraße 28 Munich, Germany

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